Familienbetrieb seit 1962
Kalkboden am Ried Feurer
Herkunft, die man schmecken kann
Unsere Weingärten liegen rund um St. Georgen am Leithaberg – dort, wo Leithakalk und Glimmerschiefer, kühlender Wald und karge Böden den Weinbau prägen. Die Lagen sind steinig, oft trocken und nicht immer einfach zu bewirtschaften. Genau darin liegt ihre Stärke.
Die Reben müssen hier tiefer wurzeln und mit weniger auskommen. Die Erträge bleiben niedriger, die Beeren werden kleiner und dichter. Für uns ist das eine wichtige Grundlage für Weine mit Spannung, Würze und klar definierter Herkunft.
Kalk bringt Frische, Spannung und einen feinen salzigen Zug in den Wein. Schiefer speichert Wärme, gibt sie langsam wieder ab und zeigt sich häufig in Würze, Struktur und einem dunkleren, steinigeren Charakter. Besonders Chardonnay und Blaufränkisch zeigen auf diesen Böden sehr klar, wie eng Boden, Klima und Sorte zusammenhängen.
Der Leithaberg bringt dabei eine besondere Balance: pannonische Wärme vom Neusiedler See, kühle Luft aus den Wäldern auf den Hügeln des Leithabergs, glimmerschiefer- und kalkreiche Böden, die vor allem Chardonnay und Blaufränkisch ihre Präzision geben. Diese beiden Sorten sind für uns die wichtigsten Botschafter unserer Region. Dieses Zusammenspiel schafft ideale Bedingungen für außergewöhnliche Qualitäten mit St. Georgner Cool-Climate Touch.
Terroir ist für uns kein großes Wort sondern ein Auftrag. Es ist das Zusammenspiel aus Boden, Lage, Klima und der Arbeit in und am Weinberg.
Naturarbeit im Weingarten
Wir arbeiten biologisch, aber für uns beginnt Naturarbeit nicht bei der Zertifizierung. Sie beginnt bei der Frage, wie ein Weingarten als lebendiges System funktionieren kann: mit vitalem Bodenleben, vielfältiger Begrünung, Plätzen für Nützlinge, alten Strukturen, Reben und Menschen, die nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander.
Deshalb verzichten wir auf Herbizide, Insektizide und Botrytizide. Den Oberboden rühren wir möglichst wenig an, damit das Bodenleben stabil bleibt. Was unter der Erde lebt, soll nicht ständig gestört werden. Denn ein aktiver Boden hilft den Reben, mit Trockenheit, Hitze und Stress besser umzugehen.
Für uns ist das kein romantisches Bild von Natur sondern unsere Grundlage für gesunde Reben, kleinere, gut versorgte Beeren und spannende, präzise Herkunftsweine.
Inkarnatklee und Begrünung im Flachgraben
Handlese am Flachgraben
Arbeit mit der Rebe
Ein großer Teil unserer Arbeit passiert nicht sichtbar im Glas, sondern viele Monate vorher im Weingarten. Beim Rebschnitt legen wir fest, wie stark eine Rebe im kommenden Jahr belastet wird. Beim Binden und bei der Laubarbeit entscheiden wir mit, wie gut Luft und Licht in die Traubenzone kommen.
Das klingt technisch, ist aber entscheidend: Eine gut gepflegte Laubwand trocknet schneller ab, die Trauben bleiben gesünder und wir können Pflanzenschutz gezielter und sparsamer einsetzen. Gerade im biologischen Weinbau ersetzt gezielte Handarbeit oft schnelle, einfache Lösungen und schafft einzigartige Qualitäten.
Auch bei der Lese arbeiten wir mit der Hand. Das gibt uns nicht nur die Möglichkeit, reife und gesunde Trauben genauer auszuwählen. Es bedeutet auch weniger schwere Maschinen im Weingarten, weniger Druck auf den Boden und mehr Aufmerksamkeit für jede einzelne Lage. Unsere Weingärten sind Lebensräume in einer alten, gewachsenen Kulturlandschaft. Wir verstehen sie als unsere wichtigsten Partner um einzigartige Weine zu vinifizieren.
Vielfalt als Teil des Systems
Um unseren Weingärten wieder mehr Leben und Struktur zurückzugeben schaffen wir Begrünungen, die den Boden schützen und beleben, Schafe bringen Bewegung in den Weingarten, Obstbäume und Steinmauern sind wichtige Lebensräume für Insekten, Eidechsen und Vögel, die gepflegt und erhalten werden wollen. So wird der Weingarten Schritt für Schritt weniger reine Monokultur und mehr lebendiges Umfeld für Reben und Natur.
Alte Kalksteinmauern, Obstbäume, Totholz, (oft nur temporär) stehende Gewässer, Nistkästen und wilde Ränder gehören für uns dazu. Eine Steinmauer ist nicht nur schön. Sie speichert Wärme, schafft Lebensraum für Eidechsen und Insekten und bringt Struktur zurück in eine Landschaft, die durch moderne Landwirtschaft oft glatter geworden ist. Totholz und stehende Gewässer sind in der modernen Land- und Forstwirtschaft ein rares Gut und bringt Artenvielfalt und wichtige Inselbiotope. Wilde Ränder schaffen Platz für Nützlinge.
Je vielfältiger ein Weingarten ist, desto weniger ist er nur Monokultur. Genau dorthin wollen wir: Reben, die Teil eines lebendigen Umfelds sind und die Grundlage für Trauben, die später präzise und herkunftsklare Weine ergeben.
Unsere vierbeinigen Helfer
Bodenleben sichtbar machen
Bodenleben als Grundlage
Der Boden ist für uns nicht nur der Ort, an dem die Rebe steht. Er ist ein lebender Raum. Wurzeln, Pilze, Mikroorganismen, Regenwürmer und organische Substanz entscheiden mit, wie gut Wasser gespeichert wird, wie Nährstoffe verfügbar werden und wie widerstandsfähig eine Rebe wachsen kann. In jeder Hand voll fruchtbaren Boden leben mehr Lebewesen, als es Menschen auf diesem Planeten gibt.
Deshalb beobachten wir nicht nur die Reben, sondern auch den Boden. Begrünung, Kompost, möglichst wenig Bodenstörung und ein bewusster Umgang bei jeder Überfahrt sind Teil dieser Arbeit. Jeder Eingriff soll eine Begründung haben.
Unser Ziel sind Reben, die möglichst ausgeglichen wachsen: nicht zu stark, nicht zu gestresst, gut belüftet und gut versorgt. Denn nur solche Reben bringen Trauben, die später Herkunft klar und präzise zeigen können.
So wenig wie möglich. So viel wie nötig.
Im Keller arbeiten wir nach dem gleichen Grundsatz wie im Weingarten: Wir greifen nicht ein, um den Wein lauter zu machen. Wir greifen ein, wenn es notwendig ist, um Qualität, Stabilität und Klarheit zu sichern.
Low-Intervention bedeutet für uns nicht Nichtstun. Es bedeutet genaues Beobachten, Verstehen und Entscheiden. Jeder Wein entwickelt sich anders. Manche brauchen mehr Zeit, manche mehr Ruhe, manche nur Geduld.
Wir arbeiten mit traditionellen Methoden und moderner Kellertechnik dort, wo sie sinnvoll ist. Holzfass, Edelstahl, Hefe, Zeit und Temperatur sind für uns Werkzeuge – kein Make-up. Der Ausbau soll nicht über den Boden sprechen, sondern ihn hörbar machen.
Vom Fass zur Probe
Johannes bei der Arbeit am Fass
Paula und Martin Nehrer bei der Weinlese
Verwurzelt in St. Georgen
Am Leithagebirge wurde bereits seit dem 7. Jahrhundert v. C. von den Kelten nachweislich Weinbau betrieben. Unsere heutigen Weinbergslagen wurden mehrheitlich im Jahre 1570 im Bergbuch des Ödenburger Komitats erstmals urkundlich erwähnt. Hierzu zählen die Ried Hummelbühel, der Hochberg, Krainer (damals Greiner), Viehtrift, Kogel und einige mehr.
Aus dieser Zeit stammt auch die erste Aufzeichnung von Weingärten im Besitz der Familie Nehrer, damals noch unter dem Lehen der Schlossbesitzer Eisenstadts. Auch der ca. 500 Jahre alte Gewölbekeller, in dem noch heute die besten Weißweine des Hauses reifen, zeugt von dieser langen Weinbautradition im Weingut Nehrer.
Die junge Geschichte des Weinguts beginnt im Jahr 1959, als Martin und Paula Nehrer den gemischten, landwirtschaftlichen Betrieb auf einen reinen Weinbaubetrieb umstellt. Die Weichen für Qualitätsweinbau in St. Georgen sind gestellt und die ersten Flaschen werden gefüllt.
2. Generation
Aufgewachsen im elterlichen Weingut ist der Wein immer präsent, Grundlage der heimischen Wirtschaft und eine Herzensangelegenheit. Auch das Studium der Landwirtschaft auf der Universität für Bodenkultur gipfelt in einer Diplomarbeit über den Welschriesling. Im Jahr 1989 übernimmt Dipl. Ing. ÖR Johann Nehrer, besser bekannt als Hans mit seiner Frau Eva das elterliche Weingut und steigt langsam aber stetig in die Spitze der österreichischen Qualitätsweingüter auf. Besonders Rotwein lag ihm am Herzen. Dies gipfelte im Sieg beim Falstaff-Rotweinguide mit unserem Merlot Reserve 2007 sowie vielen Top-Bewertungen auf nationaler und internationaler Bühne.
Während Eva Nehrer sich um die Administration kümmert und ihren grünen Daumen in den Weingärten beweist, wächst im Keller und in der Familie immer stärker das Bewusstsein für Herkunft. So übernimmt Hans Nehrer 2009 den mitgegründeten Verein Leithaberg, der zum Fundament der Herkunftsregion Leithaberg DAC wird und nicht nur das Potential der Region aufzeigt, sondern das Profil der Region schärft und zu internationaler Bekanntheit hebt.
Hans und Eva Nehrer waren Pioniere im Weinbau. Wer heute noch eine Flasche Blaufränkisch Ried Feurer 2012, Chardonnay Ried Krainer 2017 oder vielleicht sogar einen Merlot Reserve 2007 im Keller hat, weiß um die einzigartige Langlebigkeit und Strahlkraft ihrer Weine.
Eva und Hans Nehrer
Johannes im alten Gewölbekeller
3. Generation
Seit 2020 trägt Johannes Nehrer die Verantwortung für das Weingut. Nach seiner Ausbildung in Klosterneuburg, dem Studium Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur, internationalen Praktika und der Ausbildung zum Weinakademiker kehrt er mit vielen Eindrücken nach St. Georgen zurück. Sein Fokus liegt darauf, Herkunft nicht nur zu benennen, sondern im Wein sichtbar und schmeckbar zu machen.
Vieles von dem, was Hans und Eva aufgebaut haben, führt Johannes weiter. Gleichzeitig hinterfragt er bestehende Abläufe und entwickelt seinen eigenen Zugang. Er beobachtet, probiert, vergleicht und beschäftigt sich intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Rebe, Boden, Jahrgang und Ausbau.
Mit Johannes rücken Chardonnay und Blaufränkisch stärker ins Zentrum, das Sortiment wird klarer und die einzelnen Lagen gewinnen an Bedeutung. Auch über das eigene Weingut hinaus beschäftigt ihn die Entwicklung der Region: Heute ist er Obmann des Vereins Leithaberg und arbeitet daran mit, Herkunft und Profil des Leithabergs weiterzuentwickeln.
Nehrer bleibt dabei ein Familienweingut mit langer Geschichte. Tradition ist für Johannes keine feste Vorgabe, sondern eine Grundlage, auf der man weiterarbeiten kann. Wein soll dabei nicht zum Luxusprodukt für wenige werden, sondern etwas bleiben, das Menschen zusammenbringt.